


International gilt Schweden oft als Vorreiter im Tierschutz.
International gilt Schweden oft als Vorreiter im Tierschutz. Eine Forschungsübersicht, die 30 Jahre Gesetzesänderungen ausgewertet hat, stellt fest: Das Schutzniveau für Rinder, Schweine und Pferde ist in dem Zeitraum insgesamt gestiegen – einzelne konkrete Anforderungen wurden aber gleichzeitig gelockert, um die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Branchen zu stärken.
Die schwedische Djurskyddslagen (das Tierschutzgesetz) setzt trotzdem eine klare Grundlinie. Laut einer internationalen Übersicht schwedischen Rechts verbietet die Djurskyddslagen (2018:1192) Überanstrengung, Schläge oder das Treiben von Tieren mit Geräten, die sie verletzen können – und jede Ausrüstung muss so verwendet werden, dass sie weder Leiden noch Schaden verursacht. Das Gesetz verlangt außerdem, dass Ställe den Tieren angemessenen Schutz geben sowie Raum, sich frei zu bewegen und geeignet zu ruhen. Für Betriebe gilt zusätzlich: Wer beruflich oder in größerem Umfang Pferde hält, züchtet, vermittelt oder verkauft, Pferde zur Fütterung oder Einstellung aufnimmt oder Pferde in einer Reitschule einsetzt, braucht eine Betriebserlaubnis.
Auf EU-Ebene gibt es ein grundsätzliches Anerkennen, dass Tiere empfinden können. Nach geltendem Vertrag verlangt Artikel 13 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, dass die Mitgliedstaaten den Wohlergehensbedürfnissen der Tiere in vollem Umfang Rechnung tragen, wenn die Politik der Union in Landwirtschaft, Fischerei, Transport, Forschung und technologischer Entwicklung gestaltet und umgesetzt wird.
Trotzdem fehlt in der Praxis eine umfassende EU-Gesetzgebung speziell für Equiden. Eine Zusammenstellung einer schwedischen Tierschutzorganisation sagt es klar: Für Equiden fehlt Gesetzgebung, und wir halten sie für nötig. Derselbe Bericht zeigt konkrete Folgen dieser Lücke: Es kommt vor, dass Pferde zusammenbrechen, weil ihnen Ruhe, Wasser und regelmäßige Fütterung entzogen wurden – und die Organisation fordert, dass Ausrüstung für Pferde so geregelt werden sollte, wie es heute nicht der Fall ist.
Anders als die allgemeine Pferdehaltung ist der Transport klarer auf EU-Ebene geregelt. Ein Überblick der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit zeigt das Ausmaß: Zwischen 2019 und 2021 wurden im Schnitt rund 170 000 Pferde pro Jahr zwischen den EU-Mitgliedstaaten transportiert – über alle Transportarten, wobei der Straßentransport 85 Prozent ausmachte.
Die Behörde hat auch Lücken im bestehenden Regelwerk benannt. Eine Zusammenfassung des Forschungsstands stellt fest: Die aktuellen Empfehlungen zur Mindestbodenfläche in Transportfahrzeugen reichen nicht, und klare Leitlinien für optimale Wartezeiten am Schlachthof fehlen – ein Hinweis, dass die Regeln auf EU-Ebene weiterentwickelt werden müssen.
Auf schwedischer Ebene ist das Regelwerk detaillierter, aber auch auf mehrere Behörden verteilt. Unser Ratgeber Pferdetransport in Schweden: Regeln und Genehmigungen geht die ganze Kette praktisch durch: Transporteurszulassung, Güterkraftverkehr, Führerschein und Versicherung.
Viel von dem EU-Recht, das es für Pferde tatsächlich gibt, betrifft Seuchenschutz und Handel – nicht das Wohlbefinden an sich. Die Verbringung von Equiden zwischen Mitgliedstaaten regelt unter anderem die Richtlinie 2009/156/EG des Rates über Tiergesundheitsbedingungen für die Verbringung und die Einfuhr von Equiden aus Drittländern – ein Regelwerk, das auf Krankheitskontrolle zielt, nicht auf das allgemeine Wohlbefinden des Pferdes.
Was sich zeigt, ist ein Flickenteppich: Nationale Gesetze wie die schwedische Djurskyddslagen geben einen gewissen Grundschutz, die EU-Verträge anerkennen die Empfindungsfähigkeit von Tieren im Prinzip, Transportregeln existieren, gelten aber der eigenen EU-Expertenbehörde als unzureichend – und eine gebündelte, pferdespezifische Gesetzgebung zum Wohlbefinden auf EU-Ebene fehlt laut mehreren Tierschutzorganisationen vollständig.
Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.
Das Gesetz verbietet Ausrüstung und Umgang, die Leiden verursachen, verlangt angemessenen Schutz und Bewegungsraum – und fordert eine Betriebserlaubnis für größere Pferdebetriebe.
Die EU erkennt die Empfindungsfähigkeit von Tieren in den Verträgen an, aber eine umfassende, pferdespezifische Gesetzgebung zum Wohlbefinden fehlt – Transport und Seuchenschutz sind stärker geregelt als die Alltagshaltung.
Informier dich über die geltenden Regeln, stell Anforderungen beim Kauf und bei der Aufstallung – und strebe nach Praxis, die über die Mindestanforderungen hinausgeht.