


Je mehr sich die Rolle des Pferdes vom Arbeitstier zum Freizeit- und Begleittier verschoben hat, desto mehr ist Übergewicht zu einem der häufigsten Gesundheitsprobleme in der…
Je mehr sich die Rolle des Pferdes vom Arbeitstier zum Freizeit- und Begleittier verschoben hat, desto mehr ist Übergewicht zu einem der häufigsten Gesundheitsprobleme in der domestizierten Pferdepopulation geworden. Eine Zusammenfassung des Forschungsstands schätzt die Prävalenz von Übergewicht in domestizierten Populationen auf 19 bis 40 Prozent. Ein europäischer Konsensbericht zeichnet ein ähnliches Bild: In verschiedenen Pferdepopulationen liegt die Übergewichtsprävalenz in Großbritannien zwischen 21 und 45 Prozent, in manchen anderen Ländern niedriger – etwa 10 Prozent bei erwachsenen Islandpferden in Dänemark.
Equines metabolisches Syndrom (EMS) beschreibt ein Bündel klinischer Abweichungen. Die Forschung definiert es als Insulinresistenz, allgemeines Übergewicht und/oder vermehrte Fetteinlagerung an bestimmten Körperstellen – verbunden mit erhöhtem Risiko für Hufrehe. Der Kern ist, was Forscher Insulindysregulation nennen: basale oder postprandiale Hyperinsulinämie und Insulinresistenz im Gewebe. Das wiederum erhöht das Risiko der ernstesten Folge – der Hufrehe.
Der Zusammenhang zwischen Insulinspiegel und Hufrehe ist experimentell gut belegt. Forschung hat gezeigt: Anhaltende Hyperinsulinämie löst bei gesunden Ponys und Pferden experimentell Hufrehe aus – damit steht ein Ursachenzusammenhang.
Hufrehe gehört zu den ernstesten und schmerzhaftesten Zuständen, die ein Pferd treffen können. Die Forschung zeigt: Mehr als 90 Prozent der Pferde, die mit Hufrehe als primärem klinischem Symptom vorgestellt werden, haben den Zustand als Folge einer endokrinen Erkrankung entwickelt – meist des equinen metabolischen Syndroms.
Wen trifft es? Eine wichtige Nuance: Übergewicht ist keine Voraussetzung. Die Forschung stellt fest: Auch wenn Übergewicht ein häufiger Befund ist, kann EMS bei schlanken Tieren vorkommen – und nicht jedes übergewichtige Pferd erkrankt. Deshalb braucht es objektive Diagnostik, statt sich allein auf den Futterzustand zu verlassen.
Manche Rassen sind besonders empfindlich. Die Forschung hebt hervor: Bestimmte gezüchtete Rassen wie Shetlandponys, Esel und Miniaturpferde werden im Standardalltag oft weniger bewegt als viele andere Rassen – das kann das Risiko erhöhen. Dieselbe Forschung notiert: Pferde mit EMS werden oft als „leichtfuttrig“ oder „gute Futterverwerter“ beschrieben. Die Gene hinter diesem Phänotyp waren im Wildleben vermutlich von Vorteil, um Hungerperioden zu überstehen, weil sie die Futterverwertung verbesserten – ein evolutionärer Hintergrund, der in einer futterreichen Umgebung zum Risiko fürs Wohlbefinden wird.
Die Behandlung setzt in erster Linie auf Lebensstil, nicht auf Medikamente. Die Forschung betont: Das Management dreht sich um strikte Begrenzung schnell verdaulicher Kohlenhydrate im Futter, kontrollierte Raufutteraufnahme und das Streichen oder sorgfältige Steuern der Weide. Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit, muss aber an den Hufrehestatus des Pferdes angepasst werden – und passende Hufpflege ist entscheidend, weil chronische und wiederkehrende Hufrehe so häufig ist.
Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.
Ein Bündel aus Insulinresistenz, Übergewicht und erhöhtem Hufreherisiko – der Kern ist die Insulindysregulation.
Nein – EMS kann bei schlanken Tieren vorkommen, und nicht jedes übergewichtige Pferd erkrankt. Es braucht objektive Diagnostik.
Vor allem über die Fütterung (begrenzte schnelle Kohlenhydrate), kontrolliertes Raufutter, angepasste Weide und regelmäßige Bewegung sowie Hufpflege.